Für schnelleren IP-Transfer
Rahmenwerk für schnelleren, planbareren und faireren Technologietransfer veröffentlicht.
Deutschland verfügt über exzellente Forschung, starke Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie ein wachsendes Gründungs- und Investitionsökosystem. Trotzdem dauert der Weg von Forschungsergebnissen in erfolgreiche Ausgründungen oft zu lange: Unterschiedliche Erwartungen von Forschungseinrichtungen, Technologie-Transferstellen, Gründerteams und Investorinnen und Investoren, komplexe Verhandlungen über geistiges Eigentum sowie unklare Prozesse bremsen viele Spin-offs aus.
„Der IP-Transfer dauert in Deutschland viel zu lange. Das German Spin-off Framework bringt Transparenz in den Markt für IP-Transfer und trägt dazu bei, Ausgründungsprozesse zu beschleunigen“, sagt Dr. Dorothea Ringe, Leiterin unseres Clusters „Unternehmerisch denken und handeln“.
Im Schnitt dauert IP-Transfer in Deutschland 18 Monate. Die Gründe dafür sind vielschichtig, hier zwei zentrale Ursachen:
- Intransparenz über Konditionen: IP wird entweder auslizensiert, die Hochschule beteiligt sich am Spin-off oder es gibt eine Kombination aus beidem. Die Bedingungen werden bilateral zwischen Hochschule und Gründungsteams verhandelt, anschießend investiert das Venture Capital in diese Unternehmen. Damit die Unternehmen attraktiv für das VC bleiben, müssen die Interessen der Investor:innen von Anfang an mitbedacht werden – zu hohe Anteile der Hochschule sind unattraktiv. Viele junge Gründer:innen haben wenig Informationen darüber, welche Anteile für die Hochschule angemessen sind und wie der Wert des zugrundeliegenden geistigen Eigentums (IP) zu bestimmen ist. Vertreter:innen von Hochschulen, die nur selten Ausgründungen betreuen, sind in einer ähnlichen Lage. Die aktuelle Intransparenz über die üblichen Konditionen oder Terms am Markt führt zu sehr unterschiedlichen Erwartungen und auch dazu, dass die Verhandlungen sehr lange dauern.
- Die administrativen Prüf-Prozesse innerhalb der Hochschulen sind sehr unterschiedlich und involvieren viele Abteilungen (Transferstellen, Recht, Steuern). Auch das führt oft zu Verzögerungen – vor allem wenn die Akteure zusätzlich risikoscheu sind.
Das heute veröffentlichte German Spin-off Framework (GSOF) trifft nun eine Aussage zu den aktuellen Marktkonditionen für Technologietransfer auf der Basis von Angaben gegenwärtig am Markt beteiligter Institutionen. Damit wird erstmals Transparenz geschaffen – gemeinsam von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Venture Capital. Das ist ein Novum in Deutschland. Außerdem enthält das GSOF eine Empfehlung für einen professionellen Prozess zur Verhandlung von Ausgründungsverträgen.
Wichtig: Das GSOF wurde für den Transfer von Technologien mit Disruptionspotential konzipiert, die die Grundlage für ein wagniskapitalfinanzierbares Startup bilden.
Warum unterstützen wir als Joachim Herz Stiftung das GSOF?
- Transparenz über den Markt hilft, die Erwartungshaltung auf allen Seiten in Einklang zu bringen. Damit trägt das GSOF dazu bei, den IP-Transferprozess zu beschleunigen.
- Ein gemeinsam abgestimmter Rahmen zwischen Forschungseinrichtung und Venture Capital ist hilfreich dafür, dass die frisch gegründeten Startups nach der Gründung schnell VC Investment einwerben können.
- Das GSOF dient als Orientierung für alle Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die ihre eigenen Konditionen gegenüber dem Markt benchmarken wollen.
- Das GSOF dient als Orientierung für Gründerinnen und Gründer, die zum ersten Mal mit ihrer Hochschule verhandeln, ob die vorgeschlagenen Bedingungen sich innerhalb der marktüblichen Rahmenbedingungen bewegen.