Wie Berufliche Bildung innovativer werden kann

Katharina Weinert, die das Cluster Berufliche Bildung und digitale Transformation leitet, möchte mit innovativen Ideen die Aus- und Weiterbildung modernisieren und die gesellschaftliche Akzeptanz für die Berufliche Bildung stärken.

Wie die Angebote der Joachim Herz Stiftung dazu beitragen und welche Rolle der neue Joachim Herz Preis – Berufliche Bildung dabei spielt, verrät sie im Interview.

Liebe Katharina, warum ist Berufliche Bildung für unsere Gesellschaft so wichtig?

Berufliche Bildung leistet einen zentralen Beitrag zur  Fachkräftesicherung. Gleichzeitig eröffnet sie jungen Menschen vielfältige Karrierewege. Für die Ausbildung stehen unterschiedliche Berufe zur Auswahl und man kann sich Schritt für Schritt weiterqualifizieren. Viele Leitungsebenen Geschäftsführungen und CEOs haben ihre berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung begonnen. Mein Wunsch ist, dass die Chancen und Möglichkeiten stärker sichtbar werden und die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung selbstverständlich wird.

Du bist von Haus aus Juristin. Wie bist du zu dem Thema gekommen und was fasziniert dich daran?

2015 kam ich über das Geschäftsführungsnachwuchsprogramm der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände erstmals mit der Beruflichen Bildung in Berührung. Mich hat sofort fasziniert, wie viele Akteure hier zusammenwirken: Sozialpartner (Arbeitsgeberverbände und Gewerkschaften), Kammern, Ministerien und Verwaltung, Betriebe und Berufliche Schulen. Vor allem aber hat mich die Nähe zur Praxis überzeugt. Berufliche Bildung entwickelt sich ständig weiter, weil sich  Tätigkeiten und dadurch Berufe verändern. Zu verstehen, was Betriebe und Mitarbeitenden brauchen, und daraus Lösungen zu entwickeln, finde ich nach wie vor unglaublich spannend.

Die Berufliche Bildung muss sich also kontinuierlich weiterentwickeln. Wie kann die Joachim Herz Stiftung dazu beitragen, diesen Wandel mitzugestalten?

Wir möchten dazu beitragen, dass die Berufliche Bildung in einer sich wandelnden Arbeitswelt zukunftsfähig wird und neue Ideen in Unternehmen wirksam werden. Deswegen fördern wir Schlüsselkompetenzen bei Auszubildenden und unterstützen Projekte, die digitale Innovationen integrieren. 

Dabei verstehen wir uns als Impulsgeberin und als Brückenbauerin. Zum Beispiel agieren im Ausbildungssystem viele unterschiedliche Akteure, die nicht immer gemeinsam an Gremientischen sitzen. Wir möchten Perspektiven zusammenbringen, Austausch ermöglichen und Innovationen fördern. Dabei orientieren wir uns sehr stark an den Bedarfen der Praxis. Wir schauen, welche Herausforderungen es gibt, wo Veränderungen nötig sind und welche Ideen dazu beitragen können. 

Cluster Berufliche Bildung und digitale Transformation
Wir brauchen eine berufliche Bildung, die auf eine Welt  im Wandel vorbereitet. Deswegen fördern wir digitale und weitere Schlüsselkompetenzen bei Auszubildenden und befähigen Lehrkräfte, digitale Technologien gezielt einzusetzen. Wir unterstützen Projekte, die digitale Innovationen und KI-Anwendungen nachhaltig in die berufliche Bildung integrieren. So tragen wir dazu bei, dass die Aus- und Weiterbildung zukunftsfähig wird und neue Ideen in Unternehmen wirksam werden.

Kannst du dafür ein konkretes Beispiel nennen?

Ein Beispiel ist das Azubi Kolleg, ein Stipendienprogramm, das die Stiftung seit mehreren Jahren fördert und für dieses Jahr weiterentwickelt wurde. Das Programm richtet sich an Auszubildende und unterstützt sie dabei, zusätzliche Kompetenzen zu erwerben – von dem Umgang mit Künstlicher Intelligenz, über Kommunikations- und Präsentationstechniken bis hin zu Themen wie Resilienz. Außerdem möchten wir den Blick über den eigenen Alltag hinaus ermöglichen. Dazu gehören künftig beispielsweise Bildungsreisen oder Begegnungen mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Von Lehrkräften und Ausbildungsverantwortlichen hören wir immer wieder, dass die Auszubildenden gestärkt und selbstbewusster zurückkommen. Uns ist wichtig zu zeigen, dass es Stipendien auch für Auszubildende gibt.

Ein weiteres Projekt ist der neue Joachim Herz Preis für Berufliche Bildung. Was ist die Idee dahinter?

Mit dem Preis suchen wir innovative Konzepte für die Berufliche Schule von morgen. Das Besondere ist, dass wir nicht bereits bestehende Erfolge auszeichnen, sondern neue Ideen fördern. Berufliche Schulen und Verbünde aus Beruflichen Schulen aus ganz Deutschland können sich mit Konzepten bewerben. Gefragt sind Konzepte mit Lösungen, die eine nachhaltige Umsetzbarkeit, einen herausragenden Innovationsgrad und ein hohes Transferpotential auf andere Berufliche Schulen sowie eine didaktische Einbindung von Künstlicher Intelligenz und digitaler Technologie in Lehr- und Lernprozesse aufweisen. Die Beteiligung von Schüler:innen und Betrieben sowie ein Beitrag zur Stärkung der Ausbildung in der Region muss erkennbar sein.

Welche Projekte könnten überzeugen?

Wir suchen keine einzelnen Tools oder isolierte Maßnahmen. Uns interessieren ganzheitliche Konzepte für die Berufliche Schule von morgen. Ich möchte bewusst keine konkreten Beispiele nennen, weil wir die Kreativität nicht einschränken möchten. Wir suchen Ideen, die überraschen und innovativ sind. Ich glaube, dass viele gute Ideen bereits vorhanden sind. Oft fehlen jedoch die Möglichkeiten, diese Ideen umzusetzen. In Lehrerzimmern fallen häufig Sätze wie: „Wenn wir die Ressourcen hätten, würden wir das sofort machen.“

Was möchte das Cluster mit dem Joachim Herz Preis – Berufliche Bildung erreichen?

Zum einen möchten wir die Innovationsfähigkeit sichtbar machen und ihre Umsetzung ermöglichen. Der Preisträger oder Preisträger-Verbunderhält 500.000 Euro für die Umsetzung ihres Konzepts. Zum anderen geht es um den Transfer. Die Umsetzung des Projekts wird von uns über zwei Jahre begleitet. In dieser Zeit wollen wir den Austausch mit anderen Beruflichen Schulen fördern, Erfahrungen teilen und gemeinsam lernen. Die hierbei entstehenden Innovationen sollen möglichst viele erreichen.

Wenn du zehn Jahre in die Zukunft blickst: Wie sieht die Berufliche Bildung idealerweise aus?

Dann haben wir eine echte Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung erreicht. Die Chancen und Möglichkeiten mit einer Ausbildung werden gesellschaftlich selbstverständlich anerkannt. Gleichzeitig gibt es innovative Berufliche Schulen, Betriebe und neue Qualifizierungsformate, die Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen offenstehen. Das erfolgreiche duale Ausbildungssystem ist weiterhin international anerkannt und Innovationen ziehen stetig in das praxisnahe Bildungssystem ein. 

In 10 Jahren haben wir eine echte Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung erreicht.

Katharina Weinert

Zum Abschluss: Was macht die Arbeit bei der Joachim Herz Stiftung für dich persönlich besonders?

Besonders spannend finde ich den Transfergedanken: Wir wollen nicht nur Projekte fördern, sondern dafür sorgen, dass daraus etwas entsteht, das der Gesellschaft zugutekommt. Zudem sind Berufliche Bildung und digitale Transformation Themen, mit denen ich mich seit vielen Jahren beschäftige. Die Möglichkeit, hier neue und innovative Ideen auf den Weg zu bringen, reizt mich sehr. Im vergangenen Jahr haben wir bestehende Projekte weiterentwickelt und neue Vorhaben angestoßen. Jetzt zu sehen, wie diese Projekte Gestalt annehmen und wie positiv die Resonanz darauf ausfällt, ist etwas Besonderes. Wenn Ausbildungsverantwortliche, Lehrkräfte, Auszubildende und weitere Akteure der Beruflichen Bildung und darüber hinaus sagen: „Genau das haben wir gebraucht“, dann zeigt das, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Joachim Herz Preis – Berufliche Bildung

Wir zeichnen ein innovatives Konzept aus, das Künstliche Intelligenz und digitale Technologien in die Berufliche Bildung integriert und Impulse für die Ausbildung setzt. Bewerbungen können bis zum 07. September eingereicht werden.

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