Münchner Umweltökonom Sebastian Tonke erhält Joachim Herz Preis

500.000 Euro für Forschungsprojekt an der Technischen Universität München zu wirksamen Anreizen für einen geringeren Trinkwasserverbrauch

Hamburg, 27.08.2026. Für sein Forschungsvorhaben zu einem nachhaltigeren Umgang mit Trinkwasser erhält Prof. Dr. Sebastian Tonke von der Technischen Universität München heute in Hamburg den Joachim Herz Preis 2026. Angesichts des Klimawandels gewinnt die Frage, wie Wasser gespart werden kann, auch in Deutschland an Bedeutung. In seiner Studie kombiniert Tonke digitale Wasserzähler mit einer Smartphone-App und macht den Trinkwasserverbrauch in Privathaushalten in Echtzeit sichtbar. Er untersucht, welche Anreize Haushalte zu einem sparsameren Wasserverbrauch bewegen. Seine Erkenntnisse sollen Wasserversorgern und Politiker:innen helfen, wirksame Maßnahmen zur Senkung des Wasserverbrauchs zu entwickeln und die Trinkwasserversorgung resilienter zu gestalten.

Der Joachim Herz Preis zählt mit einem Preisgeld von 500.000 Euro zu den höchstdotierten Wissenschaftspreisen in Deutschland. Er zeichnet anwendungsbezogene, interdisziplinäre Forschungsvorhaben aus. In diesem Jahr richtete er sich an Wirtschaftswissenschaftler:innen, die zu einem smarten Umgang mit Wassern forschen.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge werden rund 80 Prozent des Trinkwassers in Deutschland in Privathaushalten und kleinen Betrieben verbraucht. Pro Tag und Person sind es 126 Liter. Zwar verfügt Deutschland insgesamt noch über ausreichende Wasserressourcen, aber regionale und saisonale Wasserknappheit tritt bereits heute immer häufiger auf. In den letzten 25 Jahren hat Deutschland laut Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) 60 km3 Wasser verloren – das entspricht etwa zwanzigmal der Wassermenge des Starnberger Sees. Jeder unnötig verbrauchte Liter kann den Druck auf Trinkwassergewinnung, Infrastruktur und Ökosysteme erhöhen. Das Bundesumweltamt geht davon aus, dass sich die Versorgungslage durch den Klimawandel auch in Deutschland drastisch verschlechtern wird und es zu Nutzungskonflikten zwischen Landwirtschaft, Industrie und Privathaushalten kommen kann.

Hier setzt das Forschungsprojekt WETTER (Water Efficiency through Technology, Targeting, and Experimental Research) von Prof. Dr. Sebastian Tonke an. Dazu werden 4.000 Haushalte über einen Zeitraum von zwei Jahren mit digitalen Wasserzählern ausgestattet. Diese erfassen den Verbrauch nahezu in Echtzeit und machen ihn für die Nutzer:innen unmittelbar sichtbar. Über eine Smartphone-App erhalten die Teilnehmenden unterschiedliche Impulse – etwa finanzielle Anreize, Rückmeldungen zum eigenen Verbrauch oder konkrete Wasserspartipps. Auf diese Weise will Tonke herausfinden, welche Maßnahmen den Verbrauch tatsächlich senken, bei welchen Haushalten sie besonders wirksam sind und warum. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Versorgungsunternehmen und politischen Entscheidungsträger:innen dabei helfen, wirksame und skalierbare Strategien für einen nachhaltigeren Umgang mit Trinkwasser zu entwickeln.

„Sebastian Tonke verbindet exzellente wirtschaftswissenschaftliche Forschung mit einer Fragestellung von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Besonders überzeugt hat uns, dass die Erkenntnisse seines Projekts weit über den Wassersektor hinaus nutzbar sein können und sich potenziell auch auf den Umgang mit anderen Ressourcen wie Strom oder Gas übertragen lassen. Genau solche mutigen Forschungsvorhaben mit klarem Anwendungspotenzial fördern wir mit dem Joachim Herz Preis“, so Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Vorstandsvorsitzende der Joachim Herz Stiftung.

Der Joachim Herz Preis

Die Joachim Herz Stiftung zeichnet mit dem Joachim Herz Preis herausragende Wissenschaftler:innen aus, die mit interdisziplinären Ansätzen Impulse für eine nachhaltige Zukunft geben. Der mit 500.000 Euro dotierte Forschungspreis prämiert innovative Vorhaben von Forschenden in einer frühen Karrierephase, die ihre Forschung vertiefen möchten oder den Transfer ihrer Forschungsvorhaben in die praktische Anwendung verfolgen. Der Joachim Herz Preis ist einer der höchstdotierten Forschungspreise in Deutschland.

Über Sebastian Tonke

Prof. Dr. Sebastian Tonke ist Professor für Environmental Economics an der an der TUM School of Life Sciences  und TUM School of Management. Seine Forschung liegt an der Schnittstelle von Umwelt- und Verhaltensökonomie. Er untersucht die Motive ökonomischen Handelns und evaluiert deren Auswirkungen auf politische Maßnahmen zur Bewältigung von Umweltproblemen –insbesondere beim nachhaltigen Umgang mit Wasser und Abfall. In großangelegten Studien untersucht er, wie verschiedene Maßnahmen wirken, welche Schwächen sie haben und ob sie sich gegenseitig beeinflussen. Tonke promovierte 2019 in Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln. Von 2019 bis 2026 war er als Senior Research Fellow am Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomie in Bonn tätig. Im Frühjahr 2024 war er Visiting Research Fellow an der Harvard University.

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