Was bringt uns dazu, weniger Wasser zu verbrauchen?

Prof. Dr. Sebastian Tonke will herausfinden, was Menschen dazu bewegt, weniger Trinkwasser zu verbrauchen. Dafür erhält er den Joachim Herz Preis 2026.

Sind es mehr Informationen über den eigenen Verbrauch, konkrete Spartipps oder finanzielle Anreize, die Menschen dazu bewegen könnte, weniger Wasser zu vebrauchen? 

In einer groß angelegten Studie mit 4.000 Haushalten untersucht er, welche Maßnahmen wirken – und bei wem. Für sein Forschungsvorhaben WETTER erhält er den Joachim Herz Preis 2026. 126 Liter Trinkwasser verbraucht jeder Mensch in Deutschland durchschnittlich pro Tag. Zwar verfügt Deutschland insgesamt über ausreichende Wasserressourcen, doch durch den Klimawandel können regionale und saisonale Engpässe künftig häufiger auftreten. Umso wichtiger wird die Frage, wie sich Trinkwasser effizienter nutzen lässt.

Ein wichtiger Ansatzpunkt sind die Verbraucher:innen selbst: Rund 80 Prozent des Trinkwassers in Deutschland werden in Privathaushalten und kleinen Betrieben verbraucht. Aber welche Maßnahmen führen tatsächlich dazu, dass Menschen ihr Verhalten verändern?

Schauen Sie sich den Preisträgerfilm bei YouTube an. 
 

Welche Anreize helfen beim Wassersparen?

Dieser Frage geht Prof. Dr. Sebastian Tonke von der Technischen Universität München mit seinem Forschungsprojekt WETTER (Water Efficiency through Technology, Targeting, and Experimental Research) nach. Dafür werden 4.000 Haushalte über einen Zeitraum von zwei Jahren mit digitalen Wasserzählern ausgestattet. Sie erfassen den Trinkwasserverbrauch nahezu in Echtzeit. Über eine Smartphone-App können die teilnehmenden Haushalte so unmittelbar sehen, wie viel Wasser sie verbrauchen. Doch Tonke möchte nicht nur wissen, ob diese Transparenz den Verbrauch verändert. Die Haushalte erhalten zusätzlich unterschiedliche Impulse – beispielsweise konkrete Wasserspartipps, Rückmeldungen zu ihrem Verbrauch oder finanzielle Anreize.

So kann Tonke vergleichen: Welche Maßnahmen senken den Wasserverbrauch tatsächlich? Bei welchen Haushalten funktionieren sie besonders gut? Und warum?
 

Was können Wasserversorger aus der Forschung lernen?

Die Antworten auf diese Fragen sollen nicht nur den teilnehmenden Haushalten helfen. Tonke möchte daraus Erkenntnisse gewinnen, die sich in größerem Maßstab nutzen lassen. Wasserversorger und politische Entscheidungsträger könnten auf Grundlage der Ergebnisse Maßnahmen gezielter einsetzen: Welche Intervention lohnt sich? Welche Haushalte sollte sie erreichen? Und wie lässt sich mit möglichst wirksamen Maßnahmen möglichst viel Trinkwasser einsparen? Damit könnte die Forschung dazu beitragen, den Wasserverbrauch langfristig zu senken und die Trinkwasserversorgung angesichts des Klimawandels resilienter zu gestalten.

Die Erkenntnisse könnten zudem über den Wassersektor hinaus relevant sein. Denn eine ähnliche Frage stellt sich auch bei anderen Ressourcen: Was bringt Menschen dazu, ihren Verbrauch zu verändern? Erkenntnisse aus WETTER könnten deshalb perspektivisch auch für den Umgang mit Strom oder Gas interessant sein.
 

Über Sebastian Tonke

Sebastian Tonke ist Professor für Environmental Economics an der TUM School of Life Sciences und der TUM School of Management. Seine Forschung liegt an der Schnittstelle von Umwelt- und Verhaltensökonomie. Er untersucht, wie Menschen auf unterschiedliche Anreize und politische Maßnahmen reagieren – und wie sich dieses Wissen nutzen lässt, um Umweltprobleme wirksamer anzugehen.

Mit WETTER überträgt er diesen Ansatz auf den Trinkwasserverbrauch. Dabei geht es nicht allein darum herauszufinden, ob eine Maßnahme funktioniert. Entscheidend ist auch, für wen sie funktioniert und warum.
 

Joachim Herz Preis ermöglicht groß angelegte Studie

Für die Umsetzung von WETTER erhält Sebastian Tonke den Joachim Herz Preis 2026. Mit dem Preisgeld von 500.000 Euro kann er das Forschungsvorhaben mit 4.000 Haushalten realisieren.

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