innovate! academy
Von der technologischen Machbarkeit hin zur Skalierung in industriellem Maßstab
Die Gründung und wissenschaftliche Begleitung eines Start-ups für die Entwicklung nachhaltiger chemischer Technologien gehöre zu seinen bisher noch nicht realisierten Visionen, sagt Prof. Dr. Marcus Rose, der seit Herbst 2025 Geförderter der innovate! academy ist.
Wir haben mit ihm über seine Ziele in der innovate! academy und seinen Weg dorthin gesprochen.
Ziel der Forschung
Ziel seines Forschungsprojekts ist es, ein Verfahren in die industrielle Anwendung zu bringen, das fossile Rohstoffe zur Herstellung von Tensiden biobasiert ersetzt. Tenside sind unverzichtbare Bestandteile in zahlreichen Alltagsprodukten wie Waschmitteln und Kosmetika. Ein großer Teil der genutzten Tenside wird bis heute aus fossilen Rohstoffen hergestellt.
Eine besondere Klasse der Tenside sind sogenannte lineare Alkylbenzolsulfonate (LAS). Hier setzt Roses Projekt „BioLAB“ an: in der Entwicklung eines neuartigen, vollständig biobasierten Verfahrens zur Herstellung der für die LAS-Produktion benötigten Zwischenprodukte – den linearen Alkylbenzolen (LAB).
Wie war Ihr Weg dahin, wo Sie heute mit Ihrer Forschung an der TU Darmstadt sind?
Meine wissenschaftliche Laufbahn hat mich auf recht klassischem Weg in die Professur an der TU Darmstadt geführt, nach einer Promotion in Chemie an der TU Dresden, Postdoc und Gruppenleitung an der RWTH Aachen und Forschungsaufenthalten dazwischen am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung sowie am Georgia Institute of Technology in Atlanta, USA. Mein Interesse an der Forschung war immer schon groß, aber genauso stand auch die anwendungsnahe Technologieentwicklung im Fokus. Ein Transferprojekt in die industrielle Anwendung ist ein langjähriger Wunsch.
Mit welchem Ziel haben Sie sich auf die Förderung der innovate! academy beworben?
Mein Ziel für das Projekt ist ein Technologietransfer; bezogen auf den Technologiereifegrad von TRL 3 (Technology Readiness Level) hin zu TRL 5-6. Es soll von neuer Chemie mit biobasierten Rohstoffen als Proof of Concept im Labormaßstab (TRL 3) ein neuartiger Prozess für die industrielle Anwendung entstehen. Dabei soll die Technologie so weit entwickelt werden, dass die industrielle Machbarkeit im Labormaßstab, aber unter technisch realistischen Bedingungen eindeutig demonstriert ist (TRL 5-6) und die experimentellen Daten vorliegen. Auf deren Basis mit Kostenschätzung soll die Skalierbarkeit im industriellen Maßstab aufgezeigt und eine Produktionsanlage entwickelt werden können.
innovate! academy 2026
Mit der innovate! academy fördern wir interdisziplinäre, innovative Forschung an der Schnittstelle zwischen Material-, Natur- und Ingenieurwissenschaften. Das Ziel ist, fortschrittliche Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu entwickeln. Dafür möchten wir Forschende mit Innovationsgeist, Anwendungsfokus und dem Mut zu risikoreichen Ansätzen gewinnen.
Im aktuellen Call bis 31. März 2026 suchen wir Wissenschaftler:innen, die innovative Materialien entwickeln, welche von Wasser inspiriert sind oder durch Wasser neue Funktionen erhalten.
Was treibt Sie an, Ihre Forschungsergebnisse über das Labor hinaus in die Praxis zu bringen?
Das Gefühl etwas Sinnvolles zu tun, etwas herzustellen, das einen Nutzen hat und besser ist, als die bestehenden Optionen. Insbesondere zu dem notwendigen technologischen Wandel möchte ich beitragen, um unsere Welt nachhaltiger zu gestalten – in unserem Fall durch einen neuen Prozess, der fossile durch erneuerbare Rohstoffe ersetzt.
Welchen Herausforderungen begegnen Sie dabei oder kennen Sie aus der Vergangenheit?
Eine chemische Reaktion aus dem Labormaßstab in die technische Umsetzung zu entwickeln, ist komplex und aufwendig. Wir sprechen hier über chemisches „Deep Tech“. Die Förderung durch die Joachim Herz Stiftung ermöglicht hier, die ersten Schritte aus der klassischen Laborforschung herauszugehen und das Verwertungspotential besser abschätzen und nächste Schritte vorbereiten zu können.
Und was macht für Sie einen realistischen Transferpfad aus?
Mit dem Wissen darum, wie komplex dieser Transferpfad für Deep Tech ist, ist es wichtig planvoll vorgehen zu können, aber gleichzeitig die verschiedenen Verwertungsoptionen vom eigenen Start-up bis zur Lizensierung oder dem Verkauf der Technologie evaluieren zu können. Dazu müssen eine umfassende Schutzrechtsstrategie verfolgt und auch aktuelle Entwicklungen der internationalen Konkurrenz im Auge behalten werden. Das Coaching-Angebot im Rahmen der innovate!-Förderung ist hier sehr hilfreich, strategisch vorgehen zu können.