innovate! academy 2026: Wasser gestaltet Materialien
Mit unserer Förderlinie „innovate! academy“ suchen wir dieses Jahr Wissenschaftler:innen, die zeigen, wie Wasser als aktives Gestaltungselement Innovationen vorantreiben kann. Jurymitglied Prof. Dr. Ruben R. Rosencrantz gibt Einblicke, welche Ideen besonders gefragt sind und wie Forschende ihr Projekt überzeugend präsentieren.
Herr Rosencantz, das Motto der „innovate! academy“ lautet in diesem Jahr „Water-Enabled Materials“. Was ist darunter zu verstehen?
Wasser ist weit mehr als ein Lösungsmittel oder eine Ressource – es ist ein aktives Gestaltungselement. Es kann Materialstrukturen aktiv beeinflussen, neuartige Funktionalitäten ermöglichen. „Water-Enabled Materials“ nutzen Wasser, um Materialien zu formen, Reaktionen zu ermöglichen oder ihnen besondere Funktionen zu geben.
innovate! academy
Mit der innovate! academy fördern wir interdisziplinäre, innovative Forschung an der Schnittstelle zwischen Material-, Natur- und Ingenieurwissenschaften. Das Ziel ist, fortschrittliche Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu entwickeln. Dafür suchen wir gezielt Forschende mit Innovationsgeist, Anwendungsfokus und dem Mut zu risikoreichen Ansätzen.
Warum ist Wasser ein zentraler Innovationstreiber?
Wasser steuert viele grundlegende Prozesse in der Natur. Seine besonderen Eigenschaften machen es zu einem Schlüssel für neue, nachhaltige Materialien. Forschende nutzen Wasser, um chemische Reaktionen umweltfreundlich zu gestalten, Moleküle selbstständig zu ordnen oder Materialien so zu gestalten, dass sie auf äußere Einflüsse zu reagieren. So werden Ideen von wasserbasierten Biopolymeren über selbstheilende Hydrogele bis zu wasserinduzierten Oberflächenfunktionalisierungen denkbar. Gleichzeitig wird Wasser immer knapper. Deshalb sind Materialien wichtig, die Wasser effizient nutzen, reinigen oder einsparen – etwa moderne Filter, wasserabweisende Oberflächen oder ressourcenschonende Produktionsverfahren.
“Die Förderung kann als entscheidender Katalysator für eine translational ausgerichtete Karriere wirken.”
Ruben R. Rosencrantz
Die Förderung durch die innovate! academy umfasst unter anderem eine Personalstelle, bis zu 100.000 Euro Projektmittel und ein hochkarätiges Seminarprogramm. Was kann das für die Karriere von Forschenden bedeuten?
Diese Förderung verbindet finanzielle Sicherheit mit gezielter Weiterentwicklung von Transferkompetenzen. Das Seminarprogramm vermittelt praxisnah Wissen zu Patenten, Ausgründungen und Führung – Inhalte, die in klassischen akademischen Laufbahnen oft fehlen. Zudem eröffnet die Vernetzung mit Gründungs- und Transferschaffenden langfristige Kooperationen. Die Förderung kann als entscheidender Katalysator für eine translational ausgerichtete Karriere wirken – im Besonderen für Forschende, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen.
Nach welchen zentralen Kriterien bewertet die Jury die eingereichten Projekte?
Im Zentrum stehen wissenschaftliche Exzellenz und klares Transferpotenzial: Das Projekt muss innovativ und methodisch fundiert sein und einen realistischen Weg zur Anwendung aufzeigen. Wir bewerten die Relevanz des Problems, die Originalität des Lösungsansatzes und die Machbarkeit innerhalb der Förderperiode. Wichtig sind auch interdisziplinäres Potenzial und die Bereitschaft, über die eigene Fachdisziplin hinauszudenken. Schließlich zählt die Persönlichkeit: Wir suchen kommunikationsstarke Forschende mit unternehmerischem Mindset, die aktiv Teil der innovate! academy-Community werden wollen.
Was muss aus Ihrer Sicht in einer Bewerbung unbedingt klar und überzeugend dargestellt sein? Was sollen die Beweber:innen lieber vermeiden?
Eine überzeugende Bewerbung macht das Alleinstellungsmerkmal sofort klar und zeigt präzise, welches gesellschaftliche oder technologische Problem gelöst wird. Wissenschaftliche Tiefe muss mit verständlicher Kommunikation verbunden sein: auch Jury-Mitglieder aus anderen Disziplinen müssen den Innovationsgehalt erfassen. Herausragend wird eine Einreichung durch Mut zu originellen Ansätzen bei gleichzeitig realistischer Durchdachtheit, inklusive potenzieller Hürden. Vermeiden sollten Bewerbende generische Floskeln, übertriebene Versprechen ohne Substanz und rein akademische Fragestellungen ohne erkennbare Anwendungsperspektive.
“Zeigen Sie, dass Sie die Brücke zwischen Labor und Markt verstehen und bereit sind, diesen Weg aktiv zu gehen!”
Ruben R. Rosencrantz
Was bedeutet „transferorientierter Ansatz“ und wie konkret muss er in der Bewerbung ausgeführt werden?
Zeigen Sie, dass Sie die Brücke zwischen Labor und Markt verstehen und bereit sind, diesen Weg aktiv zu gehen! Ein transferorientierter Ansatz bedeutet, die spätere Anwendung von Beginn an mitzudenken. Konkrete Umsetzungsschritte sind noch nicht erforderlich, aber ein realistischer Transferpfad sollte skizziert werden etwa potenzielle Anwender, zentrale Hürden und mögliche Wertschöpfung. Der Anwendungshorizont sollte die Machbarkeit klar erkennen lassen, ohne ins Spekulative zu gehen.
Angenommen, ich arbeite an einem frühen oder eher unkonventionellen Forschungsvorhaben: Wie offen ist die Ausschreibung für solche Ansätze?
Entscheidend ist nicht, wie ausgereift die Technologie ist, sondern wie überzeugend Sie das transformative Potenzial darstellen. Frühe Forschungsvorhaben sind willkommen, solange sie methodisch fundiert sind und Sie plausibel machen, wie Sie in zwei Jahren signifikante Fortschritte erzielen. Mut zu Neuem wird belohnt: Scheuen Sie sich nicht, disruptive Ideen einzureichen, wenn Sie deren Mehrwert klar kommunizieren.
“Die interdisziplinäre Ausrichtung zeigt, wie moderne Materialforschung funktioniert – an Schnittstellen, in Teams, über Fachgrenzen hinweg.”
Ruben R. Rosencrantz
Was zeichnet die "innovate! academy" aus Ihrer Sicht besonders aus?
Die ganzheitliche Betreuung ist einzigartig: Es geht nicht nur um Geld für Forschung, sondern um Professionalisierung in allen Aspekten translationaler Forschung. Das hochkarätige Seminarprogramm zu IP-Strategie, Ausgründung und Wissenschaftskommunikation wird individuell auf die Bedarfe der Kohorte zugeschnitten. Besonders wertvoll ist die Vernetzung innerhalb der Community: Der interdisziplinäre Austausch zwischen den Geförderten verschiedener Jahrgänge schafft Synergien und langfristige Kooperationen. Die “innovate! academy”investiert in die nächste Generation transferorientierter Forscherpersönlichkeiten.
Über Prof. Dr. Ruben Rosencrantz
Prof. Dr. Ruben R. Rosencrantz ist Jurymitglied der “innovate! academy”. Er engagiert sich für das Programm, weil ihn die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz und anwendungsnahem Transfer überzeugt. Dieser Ansatz prägt auch seine eigene Arbeit zwischen akademischer Grundlagenforschung an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) und anwendungsorientierter Entwicklung am Fraunhofer IAP. Besonders wichtig ist ihm, junge Forschende an einem entscheidenden Punkt ihrer Karriere zu unterstützen und interdisziplinäre Projekte zu fördern, die neue Impulse in der Materialforschung setzen.