„Dadurch, dass ich mich durch das Stipendienprogramm überhaupt erst getraut habe, Englisch zu sprechen, haben sich mir völlig neue Wege eröffnet.“

Merle Aschenbrenner und Paula Hock

Wie helfen die internationalen Erfahrungen aus dem Programm Azubis USA & Canada den Stipendiat:innen in der Ausbildung und für den Berufseinstieg? Hierzu haben wir die Alumnae Merle Aschenbrenner und Paula Hock befragt, die 2016 Teilnehmerinnen des Programms waren.

Mit dem Programm Azubis USA & Canada bieten wir Auszubildenden die Chance, Auslandserfahrung zu sammeln, Englischkenntnisse zu verbessern, einen Einblick in die nordamerikanische Kultur zu gewinnen und zudem ihr Berufsbild in den USA oder Kanada kennenzulernen.


Merle absolvierte eine Ausbildung zur Kauffrau für Speditions- und Logistikdienstleistungen und ist heute Ethics & Compliance Managerin bei Airbus. Paula lernte Kauffrau für Büromanagement, hat aber durch ihren USA-Aufenthalt ihren Berufsweg im Marketing gefunden und ist heute New Marketing Managerin bei der New Work Agentur KOM4TEC.

Der Weg ins Stipendium verlief für beide ähnlich: In der Berufsschule wurden sie auf das Programm aufmerksam gemacht, im Englischen waren die Hemmnisse groß und beide hatten bis dahin keinerlei Auslandserfahrung gesammelt. Bei Merle war die Hemmschwelle, Englisch zu sprechen, sogar so groß, dass sie während der Ausbildung in der Spedition bevorzugt den Raum verließ, sobald eine ausländische Vorwahl auf dem Telefondisplay erschien.


Wie bewertest du deine Erfahrungen und deinen Nutzen aus dem Stipendienprogramm aus heutiger Sicht?

Merle vor der Skyline von Atlanta

Merle: Dadurch, dass ich mich durch das Stipendienprogramm überhaupt erst getraut habe, Englisch zu sprechen, haben sich mir völlig neue Wege eröffnet. Während meines Studiums habe ich eine Werkstudententätigkeit bei Airbus in einer transnationalen Abteilung angefangen. Ich wäre in dieser Rolle nie so gut gewesen, wenn ich nicht Englisch gesprochen hätte. Ich könnte auch meine heutige Stelle bei Airbus nicht machen, wenn ich mich weiterhin der englischen Sprache verschlossen hätte. Ich arbeite mindestens ein Drittel meines Tages auf Englisch. Das hätte ich mir vor dem Auslandsaufenthalt in den USA nicht vorstellen können.

Rein sprachlich gesehen habe ich also mitgenommen, wirklich mal aus der Komfortzone rauszugehen. Wichtig ist aber auch die interkulturelle Kompetenz. Ich konnte mich nach dem USA-Aufenthalt viel mehr in die Situation hineinversetzen, wie sich andere Kulturen fühlen oder wie andere Arbeitsweisen sind. Das habe ich mir vorher nicht klar gemacht und ich war mir dessen auch nicht bewusst.

Paula: Man merkt erst ein paar Jahre später, dass das, was man weiß oder kann, sich zutraut, weil man diese Erfahrung im Ausland gemacht hat. Denn unmittelbar nach dem Aufenthalt, lässt sich noch nicht so richtig greifen, was man da erlebt hat. Ich habe vor allem enorm viel Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen gewonnen. Ich habe gelernt, auch mal den Weg zu nehmen, der vielleicht ein bisschen schwieriger oder herausfordernder ist und bei dem man nicht weiß, wie der Ausgang sein wird, aber von dem man überzeugt ist, dass es der Richtige ist.

Für mich war der Aufenthalt an der Kennesaw State University eine große Inspiration, über die ich mein heutiges Berufsfeld gefunden habe. Ich konnte dort tolle Kurse belegen, die so mit meiner Berufsausbildung erstmal nichts zu tun hatten. Ich habe so gemerkt, dass mich Marketing unfassbar interessiert.


Wie siehst du die Karriereperspektiven mit einer Ausbildung? Und wie helfen Auslandserfahrungen bei der weiteren Karriereentwicklung?

Merle: Ich glaube, wenn man den Bereich gefunden hat, der einem Spaß macht, und man eine gewisse intrinsische Motivation mitbringt, dann stehen einem nach der Ausbildung genauso sämtliche Türen und Wege offen wie mit einem Studium. Gerade in der aktuellen Situation des absoluten Arbeitnehmermarktes kann man sich fantastisch weiterentwickeln. Man muss es halt wollen. 

Paula: Ein Vorteil als Azubi ist, dass man im Vergleich zu denen, die nach dem Abitur ins Studium gegangen sind, Praxiserfahrung hat. Ich habe auch viel für mich gelernt. Ich habe zum Beispiel einen Ausbilderschein und viele Fortbildungen gemacht. Ich habe mich spezialisiert und habe zügig den Abschluss zur Marketing-Fachwirtin gemacht und so meinen Weg eingeschlagen. 

Es ist viel wert, wenn man sich auf eine Ausbildung und konkrete Arbeitsbereiche berufen kann. Vor allem, wenn es um Tools geht. Denn in der Schule, in der Ausbildung oder auch im Studium gibt es nur wenig Überschneidung mit gewissen Tools wie z. B. Office. Aber wenn man da bereits mit gearbeitet hat oder auch sich mit verschiedenen IT-Systemen beschäftigt hat, hat man einen ganz anderen Blick darauf, als wenn man sich nur theoretisch damit beschäftigt hat.


Merle, du hast in einer sehr international aufgestellten Branche deine Ausbildung gemacht. Inwiefern war die Internationalisierung Thema in deiner Ausbildung und wo haben dir deine Erfahrungen geholfen?

Merle: Nach meinem USA-Aufenthalt war meine Selbständigkeit eine ganz andere. Und es war eben nicht mehr diese Kommunikationshemmschwelle da. Rund ein halbes Jahr nachdem ich wieder zurück war, musste ich nach Antwerpen zu einer Verladeüberwachung. Ich stand da am Hafen und dort sprechen alle Englisch. Zuvor wäre das für mich unvorstellbar gewesen, sich dort in englischer Sprache durchsetzen zu müssen. Im Hafen geht es schon ein bisschen rauer zu und gerade als Frau muss man sich noch einmal mehr durchsetzen. Dieses Selbstvertrauen, sich da hinzustellen und auf Englisch zu sagen, dass etwas so nicht funktioniert, das hätte ich nicht gehabt. Also es ist viel Selbstbewusstsein, was da noch mitgekommen ist.


Unsere Angebote in der beruflichen Bildung

Zwei Azubis lesen sich eine Aufgabe durch.

Azubi Kolleg

Das Azubi Kolleg fördert Auszubildende in ihrer Persönlichkeitsentwicklung: Über anderthalb Jahre vertiefen die Stipendiat:innen ihre persönlichen und sozialen Kompetenzen in Workshops, Seminaren und Trainings.

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Azubis USA & Canada

Auslandsaufenthalte sind karrierefördernd und bereichernd – trotzdem gibt es nur wenige Angebote für Azubis. Deshalb ermöglichen wir Praktika und College-Besuche in den USA und Kanada.

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