Fünf Millionen Euro für ein klimaresiliente Landwirtschaft

Wir fördern den Aufbau eines neuen agroforst innovate! center an der Universität Münster.

Trockenperioden, Starkregen und die Verschlechterung der Bodenqualität stellen landwirtschaftliche Betriebe vor große Herausforderungen. Agroforstwirtschaft kann dazu beitragen, sie besser an die Folgen des Klimawandels anzupassen: Bäume und Sträucher werden mit Ackerkulturen oder Tierhaltung auf derselben Fläche kombiniert. So kann Wasser länger im Boden gehalten und Erträge stabilisiert werden.

Damit mehr Betriebe diese Möglichkeiten nutzen können, braucht es praxistaugliche Konzepte und wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle. In dem agroforst innovate! center sollen wirtschaftlich tragfähige Lösungen für die Landwirtschaft erprobt und für andere Regionen nutzbar gemacht werden.

Der Aufbau des Centers erfolgt gemeinsam mit der Universität Münster, der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband und dem Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft. Damit wollen wir eine dauerhafte Struktur schaffen, die wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Anwendungen überführt.

Ein Landschaftslabor für die Praxis

Herzstück des Centers ist ein rund 50 Hektar großes Landschaftslabor auf dem Familienhof Große-Kleimann in Steinfurt im Münsterland. Innerhalb des bestehenden landwirtschaftlichen Betriebs werden unterschiedliche Agroforstansätze etabliert und über längere Zeit wissenschaftlich begleitet.

Geplant sind Gehölzstreifen auf Acker- und Weideflächen, kombiniert mit Maßnahmen zum Wasserrückhalt und Bodenaufbau. Dazu gehören steuerbare Drainagen, bewirtschaftete Feuchtgebiete und weitere Ansätze, die den Humusaufbau und die Bindung von Kohlenstoff im Boden unterstützen. Forschende/ Die Beteiligten untersuchen,  wie diese Maßnahmen zusammenwirken und sich mit technischen, betrieblichen und wirtschaftlichen Anforderungen verbinden lassen.

Lösungen für weitere Betriebe und Regionen

Das Center bringt Menschen aus Wissenschaft, Landwirtschaft, Verbänden, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Die Erfahrungen aus dem Landschaftslabor sollen in Planungsgrundlagen, Bildungs- und Beratungsangebote, Entscheidungshilfen sowie übertragbare Geschäftsmodelle einfließen.

Wie Agroforstsysteme aussehen können

Auf dem Hof Düpow (bei Perleberg, Brandenburg) mit konventionellem Ackerbau befindet sich ein großes Agroforstsystem. 

Auf dem Foto zu sehen sind drei große Pappeln – im Hintergrund jedoch befindet sich ein knapp ein Kilometer langer Streifen mit weiteren Pappeln. Die Ackerfrucht Raps ist hier in der Blütezeit zu sehen.

Auf dem Biohof Garvsmühlen (Landkreis Rostock, Mecklenburg-Vorpommern) befindet sich ein diverses Wertholz-Agroforstsystem. 

Neben dem Getreide rechts und links in der Ackerfläche wurde unter den Bäumen ein Blühstreifen mit 40 Arten eingesät. Vereinzelt werden auch Gemüse- und Beerensträucher in die Reihen gepflanzt.

Der Hof Hartmann in Rettmer (Stadtrand Lüneburg, Niedersachsen) verbindet den Anbau von Pappeln mit einer Hühnerwiese. Zusätzlich ist für die Beweidung eine Klee-Gras-Mischung gesät.

Bei Riekens Landmilch in Großbarkau (Kreis Plön nahe Kiel, Schleswig-Holstein) befinden sich unter anderem Apfel-, Pflaumenbäume und Pappeln auf den Weiden (im Hintergrund zu sehen). 

Sie werden zu wichtigen Schattenspendern und tragen mit ihrem mikroklimatischen Einfluss dazu bei, die Feuchtigkeit in der Fläche zu halten.

Auf dem besonders trockenen Standort in Cobbel bei Warnke Agrar GmbH (Altmark, Sachsen-Anhalt) wurden die Bäume zur Verbesserung der Bodenqualität und des Mikroklimas für den Ackerbau gepflanzt. 

Im Wechsel stehen hier Wertholz- und Energieholzstreifen mit vielen verschiedenen Gehölzen, um zu ergründen, welche Bäume auf der Fläche überlebensfähig sind. Iin einzelnen Reihen sind zusätzlich Vogel-Nistkästen angebracht.

Über die Beteiligten

Die Universität Münster zählt zu den großen und traditionsreichen Universitäten Deutschlands und versteht das Schaffen von Wissen und dessen Transfer in die Gesellschaft als Teil ihrer zivilgesellschaftlichen Verantwortung. Dazu gehört auch die Förderung von Entrepreneurship bei ihren Studierenden und Forscher:innen über alle Fächer hinweg. Insbesondere sollen mit Hilfe von Ausgründungen wissenschaftliche Erkenntnisse für die Bevölkerung und die Wirtschaft nutzbar gemacht werden. Mit dem agroforst innovate! center, welches am Fachbereich 14 – Geowissenschaften angesiedelt ist, werden zudem zentrale Fragen des nachhaltigen Landmanagements adressiert. Die langfristige klimaresiliente Veränderung der Landwirtschaft bildet mit dem Thema Agroforst einen Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe Angewandte Landschaftsökologie und Ökologische Planung. Hier entstand 2020 das deutschlandweit agierende Citizen Science-Forschungsnetzwerk agroforst-monitoring.

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband e.V. (WLV) vertritt die Interessen der Landwirtschaft in Westfalen-Lippe. Er setzt sich für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Belange der landwirtschaftlichen Betriebe ein. Der Verband unterstützt seine Mitglieder bei fachlichen, rechtlichen und betrieblichen Fragen und bringt die Perspektiven der Landwirtschaft in Politik und Gesellschaft ein. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung einer leistungsfähigen und zugleich nachhaltig wirtschaftenden Landwirtschaft. Mit seinen regionalen Strukturen und seinem breiten Netzwerk zu landwirtschaftlichen Betrieben, Kommunen, Behörden und weiteren Akteuren ist der WLV ein wichtiger Partner bei der Umsetzung neuer Ansätze in der Fläche. Im Rahmen des agroforst innovate! center bringt der Verband insbesondere die betriebliche Perspektive und seine Erfahrungen aus der landwirtschaftlichen Praxis ein.

Der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft e.V. (DeFAF) setzt sich für die Entwicklung und Verbreitung von Agroforstwirtschaft in Deutschland ein. Vernetzt mit Wissenschaft, Landwirtschaft, Beratung, Politik und weiteren Akteuren fördert der Verband den Austausch von Wissen und Erfahrungen rund um Agroforstsysteme. Er unterstützt Forschung, Bildung und Wissenstransfer und setzt sich für bessere Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Agroforstwirtschaft ein. Ziel ist es, Agroforstsysteme als Bestandteil einer nachhaltigen und klimaangepassten Landnutzung weiterzuentwickeln und in der landwirtschaftlichen Praxis stärker zu verankern. Im Rahmen des agroforst innovate! center bringt der DeFAF seine fachliche Expertise, sein bundesweites Netzwerk und seine langjährige Erfahrung bei der Entwicklung und Verbreitung von Agroforstsystemen ein.

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